Während der aktuellen Coronakrise steigt die Staatsverschuldung und die Schweizerische Nationalbank (SNB) interveniert stark, um den Schweizer Franken zu stabilisieren. Welche Auswirkungen hat dies auf Ihre bestehende Finanzierung oder Ihre Fremdkapitalaufnahme? Um die wirtschaftliche Stabilität eines Landes und einer Währung zu stützen, stehen zwei Instrumente zur Verfügung, welche mit ausreichend Feingefühl im richtigen Moment eingesetzt werden müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Dies sind die Geldpolitik der Zentralbank und die Fiskalpolitik des Staates. Mit der Geldpolitik kann die Zentralbank die vorhandene Liquidität sowie die kurzfristigen Zinsen einer Währung steuern. Mögliche Massnahmen sind unter anderem Rückkaufvereinbarungen von Wertpapieren (Repo), Devisenkäufe und die Festlegung eines Zinses auf Sichtguthaben von Banken. Mit der Fiskalpolitik werden die Ausgaben und Einnahmen eines Staates gesteuert. Nach der keynesianischen Theorie soll der Staat antizyklisch handeln und während einer Rezession die Staatsausgaben erhöhen und in einem konjunkturellen Hoch seine Ausgaben verringern bzw. zur Rücklagenbildung seine Einnahmen durch Steuererhöhungen steigern. Doch wie konkret wurden während der Corona-Pandemie diese Instrumente in der Schweiz angewendet? Und werden die Massnahmen erfolgreich sein? Betrachten wir in einem ersten Schritt die Geldpolitik. Die globale Pandemie hat den Aufwärtsdruck auf den Franken verstärkt. Daher sah sich die Schweizer Nationalbank (SNB) gezwungen den Leitzins ganzjährig bei -0.75% zu belassen und intensiv am Devisenmarkt zu intervenieren. Zusätzlich stellte die SNB dem Bankensystem Liquidität zur Verfügung im Rahmen der COVID-19 Refinanzierungsfazilität. Die Bilanzsumme der SNB, welche sich bereits seit der Finanzkrise von 2008 massiv erhöht hatte, stieg im Jahr 2020 um weitere CHF 138 Milliarden – vorwiegend durch Devisenanlagen. Lag die Bilanz im Jahr 2007 prozentual gemessen an der jährlichen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandprodukt/BIP) noch bei rund 20%, stieg dieser Wert per Jahresende 2020 auf 140%.

Kurzfristig scheinen die Massnahmen sinnvoll zu sein, da eine weitere Aufwertung des Schweizer Frankens eingedämmt werden konnte und die Wirtschaft gestützt wird. Die langfristigen Folgen sind heute aber nur schwer abzuschätzen. Die Inflationsaussichten unterliegen weiterhin grossen Unsicherheiten. Wie rasch sich die Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr erholen wird, hängt davon ab, wie hoch die weltweite Impfbereitschaft ist und wie erfolgreich die Mutationen eingedämmt werden können. Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2020 geht die SNB für das Jahr 2021 aktuell wieder von einer etwas höheren Inflation im Umfang von 0.4% aus. Für die kommenden beiden Jahre (2022 und 2023) wird ein leichter Anstieg auf 0.6% bei einem gleichbleibenden Leitzins von -0.75% erwartet. Sollte sich dies bewahrheiten und die massiven Interventionen der SNB die Währung nicht stärker als erwartet stützen, kann der SNB zu dem Manöver gratuliert werden. Die nächsten Herausforderungen werden indes sicherlich nicht lange auf sich warten lassen und entsprechend wird eine Bilanzverkürzung wohl ins Auge gefasst werden müssen, um auch zukünftig rasch handlungsfähig zu bleiben.

Kommen wir nun zu den Fiskalmassnahmen. Die Schweiz ist in der glücklichen Situation einen stabilen Staatshaushalt vorweisen zu können. In den Jahren vor der COVID-Krise überstiegen die Einnahmen jeweils stets die Ausgaben, Schulden konnten somit abgebaut werden. Seit 2003 ist in der Verfassung zudem die sogenannte Schuldenbremse verankert, welche dem Bund auferlegt, Einnahmen und Ausgaben über den ganzen Konjunkturzyklus hinweg im Gleichgewicht zu halten. Für einen internationalen Vergleich wird oft die sogenannte Staatsschuldenquote betrachtet, also die Schulden eines Staates gemessen an dessen Bruttoinlandprodukt (BIP). Vor der Krise wies die Schweiz eine Schuldenquote von 26.4% aus. Das ist für ein Industrieland ein bemerkenswert tiefer Wert und lässt unser Land im internationalen Vergleich als Musterschüler dastehen. Ursprünglich hatte die Europäische Union (EU) einen Grenzwert für die Staatsschuldenquote von 60% (sogenannte in den Maastricht-Verträgen definierte Schuldenstandsgrenze) festgelegt als Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der Währungsunion. Wie allgemein bekannt ist, erfüllen viele der EU-Länder diese Anforderung seit geraumer Zeit nicht mehr – ihre Staatsschuldenquote liegt deutlich über dem vertraglich postulierten Niveau. Im Krisenjahr 2020 mussten nun der Bund und die Kantone die Staatsausgaben deutlich erhöhen, gleichzeitig sanken die Einnahmen aufgrund des Wirtschaftseinbruchs und der darauffolgenden tiefen Steuereinnahmen. Der Bundesrat und das Parlament haben Notmassnahmen von über CHF 70 Milliarden beschlossen, welche den Haushalt des Bundes stark belasten und zu einer massiven Neuverschuldung führen werden. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Staatsschuldenquote um einige Prozentpunkte erhöhen wird. Wie genau diese «Corona-Schulden» amortisiert werden ist noch unklar, aus Sicht der Wirtschaft wäre ein Abbau ohne Sparprogramme oder unmittelbare Steuererhöhungen wünschenswert.

Nun werden Sie sich sicherlich fragen, welche Auswirkungen das zukünftige Zinsumfeld, die Staatsverschuldung und die stabilisierenden Massnahmen für den Schweizer Franken auf Ihre Fremdkapitalaufnahme oder Ihre bestehende Finanzierung in der Schweiz haben. Gerne nehmen wir diese Thematik mit Ihnen im persönlichen Gespräch auf, wir freuen uns sehr über Ihren Anruf oder Ihre Mitteilung.


Fabian Meier

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