Was ist von „Penny Stocks“ zu halten?

Beginnen wir mit einer Definition. Was sind «Penny Stocks» überhaupt? Damit werden Aktien bezeichnet, welche nominal nur ein paar Rappen oder Cents pro Stück kosten, bzw. unter einem Euro, Franken oder Dollar. Ein zweites wichtiges Kriterium ist die geringe Marktkapitalisierung von zumeist wenigen Millionen. Damit gehören Aktien wie der britische Telekomdienstleister Vodafone, dessen Aktien zwar nur wenig über bei 1 Pfund notieren, nicht zu den Penny Stocks, denn Vodafone hat aktuell eine Börsenkapitalisierung von 40 Milliarden Pfund.

Grundsätzlich sind Penny Stocks mit sehr hohen Risiken behaftet. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zunächst die Psychologie. Für manchen Anleger sehen solche Titel vermeintlich billig aus, da sie nominell so tief notieren. Natürlich spielt es aber keinerlei Rolle, ob ein Kurs von 10 Rappen auf 20 Rappen steigt oder von 1500 Dollar auf 3000 Dollar. Prozentual ist es das gleiche, der Kurs hat sich verdoppelt. Das psychologische Moment ist aber nicht zu unterschätzen; immerhin werden gelegentlich Aktiensplits mit dem zu «schweren» bzw. hohen nominellen Aktienpreis begründet. Ökonomisch notwendig sind sie in diesem Falle nicht.

Eine psychologische Falle stellt auch die Meinung dar, man könne mit «Penny Stocks» besonders leicht und schnell Geld verdienen. Häufig schnappen Anleger eine Geschichte auf, wonach sich ein Titel, der noch vor einigen Wochen im Cent-Bereich notierte, massiv aufgewertet hat. Zwar kommt so etwas vor. Aktuell ist dies bei Relief Therapeutics der Fall, da hier Hoffnungen auf einen Wirkstoff gegen das Corona-Virus bestehen. Die Aktie vervielfachte sich in kurzer Zeit. Entscheidend ist aber, dass dies die «die Nadel im Heuhaufen» darstellt: Denn den Denkfehler «Friedhof der gescheiterten Ideen» ignorieren manche Anleger geflissentlich. Wer sich nur auf diesen einen Erfolg fokussiert, den er in der Zeitung gelesen hat, vergisst, dass viele Misserfolge anderer Unternehmen nicht in der Zeitung stehen. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass er in Zukunft in der Lage ist, genau solche (seltenen) Erfolge, eben die Stecknadel im Hauhaufen, aus den vielen verfügbaren Titeln zu picken, muss als gering eingestuft werden.

Zu den psychologischen Denkfallen gesellt sich die Problematik hinzu, dass «Penny Stocks» aufgrund ihrer tiefen Kapitalisierung und des geringen generellen Anlegerinteresses häufig nur einen sporadischen und sehr dünnen Handel aufweisen. Analysten sprechen in diesem
Zusammenhang von einem illiquiden Markt. Damit ist das Risiko, dass man nicht zu einem gewünschten Preis kaufen oder verkaufen kann, deutlich erhöht. Sogenannte «Bocksprünge» sind deshalb in sehr klein kapitalisierten Titeln weit häufiger als bei hochliquiden Blue Chips-Aktien wie beispielsweise SMI-Aktien. Manchmal finden auch während Wochen überhaupt keine Abschlüsse statt.

Zu guter Letzt, und dieser Punkt ist keineswegs zu unterschätzen, sind «Penny Stocks» anfällig für Betrugsversuche. Hierbei positionieren sich Spekulanten vorgängig in einem Titel, beginnen im Anschluss den Kurs mit wenig Geld in die Höhe zu treiben und streuen gleichzeitig erfundene «Success Stories». Dies ist keineswegs ein neues Phänomen; trotzdem ist diese Art der Manipulation im Zeitalter von Fake News, Internetforen und sozialen Medien, Twitter etc. einfacher als je zuvor. Es handelt sich dabei natürlich um verbotenes Marktverhalten! Im Hollywold-Film «Wolf of Wallstreet» erlangte dieses als «Pump and dump» bezeichnete Vorgehen unrühmliche Bekanntheit.

Verschiedene Broker haben deshalb in der Vergangenheit begonnen, den Handel mit diesen sehr kleinkapitalisierten Werten einzuschränken oder ganz zu unterbinden, da sie Reputationrisiken scheuen.

Das Fazit ist deshalb klar: Penny Stocks sind für die überwiegende Mehrzahl der Anleger nicht geeignet. Der alte Grundsatz «hohe potentielle oder vermeintliche Gewinnmöglichkeiten gehen einher mit hohen oder sehr hohen Risiken» ist klar bestätigt. Wird trotzdem investiert muss jederzeit mit einem Totalverlust gerechnet werden. Es sollten folglich niemals hohe Summen investiert werden oder gar Leverage eingesetzt werden.

Als Alternativen sind Small Caps denkbar. Small Caps sind kleinkapitalisierte Werte, allerdings trotzdem weit höher als «Penny Stocks». Die Kapitalisierungen bewegen sich hier im Gros der Titel zwischen 50 und 500 Millionen Franken. Auf einfache Art erreicht man eine Diversifikation und damit auch eine Risikostreuung mit einer Investition in einen Aktien-ETF (Exchange Traded Funds). Small Caps, welche in einen bekannten Index aufgenommen werden, müssen darüber hinaus gewisse Mindestanforderungen erfüllen. Die Risiken sind hier bereits weit tiefer als bei einer Investition in einzelne «Penny Stocks». Solche ETFs gibt es auf US-amerikanische und europäische Nebenwertindices.

Verfasser: Philipp Jäggle

Corefinanz AG
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