Von Libor zu Saron – Was ändert sich für Kreditnehmer

Die britische Finanzmarktaufsicht FCA hat nach dem Manipulationsskandal im Jahr 2011, als Banken den Libor (London Interbank Offered Rate) durch Absprachen künstlich beeinflussten, beschlossen, diesen ab Ende 2021 nicht mehr zu unterstützen. Der für viele Transaktionen verwendete Referenzzinssatz, welcher bis anhin weltweit die Basis für Kreditverträge und Devisentransaktionen bildete, wird somit abgeschafft und eine Alternative muss gefunden werden.

Die fehlende Robustheit des Libor basiert vor allem darauf, dass er sich nicht an objektiven Kriterien wie beispielsweise effektiven Transaktionen orientiert, sondern lediglich an den Einschätzungen einer Gruppe der 11 bis 16 marktstärksten Banken Londons zum Zinssatz, zu dem sie sich gegenseitig unbesichert Geld ausleihen würden. Ein Gremium unter FCA-Aufsicht errechnet, gestützt auf diesen Angaben, den täglich geltenden Libor-Satz. Diese mangelnde Markttransparenz hat auf Seiten der Banken zu falschen Anreizen und letztlich zu Manipulationen geführt.

Doch welche Alternativen gibt es und was sind die Auswirkungen einer Migration zu einem anderen Basiszinssatz? In der Schweiz hat sich die Nationale Arbeitsgruppe (NAG) unter der Leitung der Schweizer Nationalbank (SNB) mit dieser Thematik befasst und sich für den Swiss Average Rate Overnight (Saron) entschieden. Im Jahr 2009 zusammen mit der SNB entwickelt, wird dieser Zinssatz von der Börsenbetreiberin SIX berechnet und täglich publiziert. Basierend auf realen, besicherten Transaktionen und verbindlichen Preisen von Marktteilnehmern am Schweizer Geldmarkt (Repo) ist er weniger anfällig für Manipulationen, dennoch liquide und nicht zuletzt streng reguliert. Die bedeutendsten Unterschiede sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst:

 SaronLibor
GrundlageBesicherter Geldmarkt SchweizUnbesicherter Geldmarkt
TeilnehmerAktuell 160 teilnehmende Banken und VersicherungenEine Gruppe von 11 bis 16 Banken, die sogenannten Panel-Banken
Basis für ZinssatzAbgeschlossene Transaktionen und handelbare Preise, im Jahresdurchschnitt ca. 110 Zinssätze pro TagAngaben und Schätzungen der teilnehmenden Banken, je nach Teilnahmeaktivitäten ca. 5 bis 8 Werte pro Tag. Die höchsten und tiefsten Werte fliessen nicht ein.
FixierungDreimal am Tag, Schlusskurs um 18.00 UhrBerechnung & Veröffentlichung einmal am Tag
WährungCHFCHF, EUR, GBP, JPY, USD


Globale Referenzzinssätze
Für Märkte ausserhalb des Schweizer Frankens werden andere Alternativsätze benutzt:

Was ändert sich für mich als Kreditnehmer?
Der signifikanteste Unterschied zum Vorgängersatz, dem drei- oder sechsmonatigen Libor, besteht darin, dass es sich beim Saron um einen Tagessatz handelt, die Zinsbindung also lediglich einen Tag umfasst. Da Transaktionen im Kreditbereich jedoch längere Zinsbindungen erfordern, wird beispielsweise ein dreimonatiger «Compounded Saron» ermittelt. Aus den Tagessätzen einer 90-tägigen Periode über Zinseszinsberechnung bestimmt, kann er als Basis für Kreditverträge dienen. Allerdings besteht die Schwierigkeit, dass der ermittelte Zinssatz auf Saron-Basis nun in den meisten Bankprodukten erst zum Ende der Laufzeit bekannt wird, wohingegen die Kreditnehmer mit Libor-basierenden Finanzierungen jeweils bereits zu Beginn der Periode den Preis für die Geldaufnahme gekannt haben.

Die Schweizer Banken sind aktuell intensiv mit der Libor-Ablösung beschäftigt. Einige Marktteilnehmer bieten ihren Kunden die neuen Saron-Produkte bereits an, während andere die Produktreife bis Ende Jahr prognostizieren. Nach der Umstellung wird der Markt noch heterogener sein als bis anhin. Denn zur Ermittlung des «Compounded Saron» für eine bestimmte Periode besteht nicht nur eine mögliche Art der Berechnung, sondern gleich sieben unterschiedliche, von der SNB für Kreditprodukte empfohlene Methoden. Jedes Institut entscheidet individuell, welche sie anwendet. Die Anpassung an das neue System hat sich für die Banken als Grossprojekt erwiesen, welches nicht nur die Erneuerung sämtlicher Kundenverträge, sondern auch die komplette Überholung ganzer IT-Landschaften erfordert.

Die Kreditgeber werden nun sämtliche Verträge vor Ende 2021 erneuern und deshalb auf Sie als Kreditnehmer zukommen. Falls Sie eine 0%-Untergrenze in Ihrem Kreditvertrag vereinbart haben, sollte sich an Ihrer Zinslast unmittelbar nichts ändern. Da aktuell beide Basissätze deutlich unter 0% liegen (3M Libor -0.705% und Saron -0.704%), werden Sie weiterhin lediglich die Bankenmarge bezahlen. Anders verhält es sich, wenn Sie, wie viele Kunden der Corefinanz, ohne eine 0%-Untergrenze finanziert sind oder Derivatprodukte, wie z.B. Interest Rate Swaps nutzen. Generell empfehlen wir, den neuen Vertrag vor Unterzeichnung genauestens zu prüfen. Es könnte nämlich sein, dass einzelne Banken ihre erhöhten Kosten durch die Umstellung mittels Margenerhöhung auf den Kunden zu überwälzen versuchen. Ausserdem besteht die Möglichkeit, dass die Vertragserneuerung durch den Kreditgeber auch zur Anpassung weiterer Vertragspunkte genutzt wird. Für den Kreditnehmer ist es nicht leicht, hierbei den Überblick zu behalten. Wir empfehlen deshalb, dass Sie sich jede Anpassung im Vertrag ausführlich erklären lassen. Gerne steht Ihnen Corefinanz bei Fragen zur Verfügung. Wir helfen gerne dabei, für Transparenz und Klarheit in einer immer komplexer werdenden Finanzierungswelt zu sorgen und stehen Ihnen als unabhängiger Partner zur Seite.

Janine Kopf

Corefinanz AG
Mainaustrasse 34
8008 Zürich
+41 (0) 44 269 80 83

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